
Nach der provisorischen Notfallbehandlung eines entzündeten Weisheitszahnes wurde ich zur nachhaltigen Problembeseitigung an die Praxis für Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie Dr. Koch verwiesen. Die Praxis befindet sich in der Siegener Kinderklinik, es werden aber offensichtlich nicht nur Kinder behandelt. Dort wurde heute morgen der im 90-Grad-Winkel im Kiefer stehende Zahn herausoperiert. Die Spritze wirkte hervorragend, bereits nach einer Minute konnte ich schon kaum noch sprechen weil alles taub war. Mit Skalpell, Fräse, Zange, Wurzelheber und anderem Gerät war der Chirurg dann geraume Zeit beschäftigt. Am Ende musste der Zahn kapitulieren, übrig blieben nur winzigste Stückchen, nichts was als Souvenier zum Mitnehmen geeignet gewesen wäre. Mit dem Hinweis es habe ein ganz ordentliches Loch gegeben, wurde dann zugenäht. Obwohl tatsächlich keinerlei Schmerzen entstehen, kommt man während der Prozedur ins Schwitzen. Ich nehme an dafür sorgt allein der psychologische Effekt und die extreme Geräuschkulisse, da die Tonübertragung vom Kiefer zum Ohr gnadenlos ist. Es knackt und knirscht und wenn gefräst wird, meint man eine Kreissäge im Kopf zu haben. Ich kann also durchaus nachvollziehen, wieso viele Patienten eine Vollnarkose bevorzugen. Der Fernsehsender RTL, der in der Kinderklinik die Doku-Soap „Die Kinderärzte“ dreht, war bedauerlicherweise nicht zugegen. Fürs Vormittagsprogramm war meine OP wohl zu gewaltverherrlichend.
Wieder zu Hause spuckte ich nach einer Stunde die blutigen Tupfer aus und las die mitgegebene Patienteninformation: „In den ersten 24 Stunden kein Kaffee, Cola, Alkohol.“ Das deckt sich genau mit dem bei mir vorhandenen Getränken, so musste ich also erstmal ein paar Flaschen Wasser organisieren. Ein Streifen mit 5 Tabletten Ibuprofen wurde mir mitgegeben, mehr sollte ich mir selbst besorgen. Die Backe sollte gekühlt werden und optimalerweise sollte noch Dontosanin zusätzlich gegen die Schwellung eingenommen werden. Man soll auch nicht an der Wunde saugen, was sich allerdings nicht vermeiden lässt, da bei jedem Schlucken ein Sog entsteht und danach hat man wieder den Mund voll Blut und noch mehr zu schlucken – ein Teufelskreis. So hing ich am Ende überm Waschbecken habe einfach laufen lassen. Ekelhaft. Die ersten Stunden nach der Operation machen absolut keinen Spaß.
NACHTRAG (Tag 2):
Einen Tag später geht es schon erheblich besser. Von den Ibuprofen habe ich nur 2 Stück gebraucht und habe kaum noch Schmerzen. Eine Schwellung ist kaum vorhanden, obwohl ich weder gekühlt noch etwas eingenommen habe. Der Mund geht auch wieder weiter auf, scheint optimal zu laufen. Im Laufe der Nacht habe ich etwas Blut auf mein Kopfkissen gespuckt, Nachblutungen sind aber in den ersten Tagen normal.
NACHTRAG (Tag 3, 4, 5):
Zu früh gefreut. Jedes Schlucken ist einfach nur anstrengend und zusätzlich sind heftige Kopfschmerzen aufgetreten. Mit Schmerztabletten ist es wieder auszuhalten. Meine Backe ist äusserlich leicht gelblich geworden.
NACHTRAG (Tag 8):
Nachdem ich mir bereits einen Faden selbst mit der Zahnbürste gezogen hatte, war ich in der Klinik um auch die restlichen entfernen zu lassen. Bis auf eine leichte Entzündung sieht alles gut aus. Mit einer Spritze mit stumpfer Kanüle soll ich nun noch regelmäßig die Wunde spülen. Meine Behandlung ist damit abgeschlossen und meine Backe fühlt sich von Tag zu Tag besser an.



